Wochenprojekt der Adam-Olearius-Schule vom 14.03.2022 bis zum 18.03.2022

Sabrina Amico aus Italien und Matthias Jügler aus Deutschland

Das ist der Text, den Sabrina Amico den Kindern der AOS zum Weiterschreiben mitgebracht hat:

Übersetzung: Annette Schiller

ZU HAUSE oder Linos Haus (Giuseppe gewidmet, der durchhält)

Lino wurde in einem Haus am Strand geboren und hatte immer dort gelebt.

In dem Haus hatten vor ihm seine Eltern gelebt und davor sein Großvater, der es gebaut hatte. Von der Terrasse aus blickte Lino auf das Meer, dessen Farben er alle kannte: das bleierne Grau eines aufziehenden Gewitters, das tiefe Blau an sonnigen Tagen, die goldene Spur des Sonnenuntergangs und die roten, gelben und rosa Töne der Morgendämmerung. Wenn das Zirpen der Zikaden aufhörte, die Luft zu erfüllen, konnte Lino den Klang der Wellen hören, der ihn immer in den Schlaf gewiegt hatte.

Angefangen hatte alles so: Eines Sommers war auf der anderen Seite des Strandes, zwischen den Büschen, ein Kiosk aus Zweigen mit bunten Tischen und Stühlen aufgestellt worden. Zunächst hatte sich Lino über die neuen ungewohnten Geräusche gefreut: die Gespräche der Restaurantgäste bis in den Abend, das Klirren der Gläser und die Musik, die ihn zu Tränen rührte, weil er nicht daran gewöhnt war. Junge Leute, die sich in unverständlichen Sprachen unterhielten, spielten bis tief in die Nacht auf ihren Gitarren.

Dann waren die Autos gekommen, der Kiosk wurde zum Hotel, und der Strand wurde von einer lärmenden Menge mit Liegestühlen und Sonnenschirmen bevölkert.

Ein paar Mal waren Herren in grauen Anzügen aus der Stadt gekommen und hatten ihm jeden möglichen Preis für den Verkauf seines Hauses geboten.

Aber Lino hatte immer dort gelebt und lehnte jedes Angebot hartnäckig ab.

Wenn er am Strand entlangging, hörten die Zikaden auf zu singen und überließen der Musik das Feld. Lino musste nachts aufstehen, um der Stille und den Wellen zu lauschen.

Nach und nach war Lino traurig geworden. So traurig, dass er eines Tages beschloss, sein Zuhause zu verlassen.

Er ging in die Berge, in der Hoffnung, dort den Sternenhimmel wiederzusehen, wie zu der Zeit, als noch nicht die Hotelbeleuchtung die ganze Nacht brannte.

Aber in den Bergen war es im Winter sehr kalt, der Schnee bedeckte monatelang alles, und Linos Blick suchte vergeblich nach dem leicht gewölbten Horizont zwischen Himmel und Meer.

So versuchte er es damit, in die Stadt zu ziehen, um sein Haus am Strand für immer zu vergessen und in ein neues Leben einzutauchen: die Spaziergänge auf den Boulevards, die schönen großen Häuser, die viele Geschichten erzählten, die Kinos und Theater, die er nie gekannt hatte, die Plätze, auf denen es sich so angenehm mit den Passanten plaudern ließ.

Aber an keinem dieser Orte hatte er sich wirklich zu Hause gefühlt.

Lino vermisste sein Haus, aber sein Haus gab es nicht mehr, oder besser gesagt, es war nicht mehr derselbe Ort, an dem er geboren und aufgewachsen war. Dieser Ort war für immer verschwunden und es gab keine Möglichkeit, dorthin zurückzukehren.

Matthias Jügler

Diesen Text hat Matthias Jügler den Kindern der AOS zum Weiterschreiben mitgebracht:

Der Vieraugen-Fluss-Schmatzer

Der Vieraugen-Fluss-Schmatzer ist ein sehr besonderer Fisch, der in den letzten Jahren immer öfter in Deutschland gesichtet wurde. Er verdankt seinen Namen nicht nur seinen vier Augen, sondern auch der Tatsache, dass er, während er seine Nahrung vertilgt, schmatzende Geräusche von sich gibt.

Sein Körper ist langgestreckt und recht dick und mit winzigen, bräunlichen Schuppen besetzt. Wäre er nicht von einer dicken Schicht Glanzschleim umgeben, man könnte ihn leicht mit einem Pudel verwechseln.

Der Vieraugen-Fluss-Schmatzer verlässt mehrere Male am Tag das Wasser, um Nahrung zu jagen (kleinere Vögel, Mäuse oder Insekten). Die kräftigen, strahlend roten Bauchflossen nutzt der Vieraugen-Fluss-Schmatzer, um sich an Land fortzubewegen. Sein Gang erinnert dabei an den eines Pinguins. Er verlässt watschelnd das Wasser, stellt sich ganz so wie ein Reiher in Position und wartet völlig reglos darauf, dass ein Beutetier sich nähert – ist dies der Fall, lässt er sich mit weit geöffnetem Mund fallen und verschluckt so seine Beute.

Zwei seiner vier Augen befinden sich nicht am bzw. im Kopf, sondern im Bauchbereich. Auf diese Weise ist der Vieraugen-Fluss-Schmatzer seiner Beute überlegen. Er sieht sie, lange bevor sie ihn sieht.

Für uns stellt er keine Gefahr dar, da er sich, wenn ein Mensch sich nähert, auf schnellstem Wege ins Wasser begibt.

Zu erwähnen ist jedoch, dass eine verwandte Art, nämlich der Sechsaugen-Fluss-Beißer, einem Menschen aufgrund seines enormen Gebisses und der generellen Lust am Zuschnappen durchaus gefährlich werden kann. Da beide sich recht ähnlich sehen, sollte man sich im Zweifelsfall also eher defensiv verhalten.

 

Hier folgen nun Bilder und kurze Filmmitschnitte von der Lesung der entstandenen Texte am Dienstag:

 
 
 
 

Ab Mittwoch - Arbeit in den Werkstätten

Nach der Lesung der entstandenen Texte am Dienstag ging es ab Mittwoch in die Werkstätten. Hier entstanden zu den Geschichten Illustrationen in verschiedenen Techniken. Hier nun Fotos aus den verschiedenen Werkstätten:

Grafikwerkstatt Kaltnadelradierung

Werkstattleitung: Sven Großkreutz - Maler und Grafiker aus Halle/Saale

In dieser Werkstatt entstanden Illustrationen zu den Texten von Sabrina Amico und Matthias Jügler in der Technik der Kaltnadelradierung. Das sind in Kupferplatten geritzte Zeichnungen, die in der Technik des Tiefdruckes auf Büttenpapier gedruckt werden.

 

Und hier seht ihr Bilder von den Ergebnissen der Grafikwerkstatt:

Werkstatt: „Schöne Worte – Entwerfen eigener Buchstaben/Schrift für die Gestaltung von Plakaten“

Projektleitung: Colette Dörrwand, Künstlerin aus Halle/Saale

In dieser Werkstatt haben die Kinder Plakate passend zu den entstandenen Geschichten gestaltet. Schriftentwürfe und das Arbeiten mit Schablonen standen im Mittelpunkt.

 
 

Hier sind weitere Ergebnisse aus der Plakatwerkstatt zu sehen:

 
 
 

Plastische Werkstatt – „Objekte aus Papier“

Projektleitung: Manuela Homm, freischaffende Künstlerin und Designerin aus Halle/Saale

Pappmaché bzw. Pappmaschee (auch Pulpe oder Papiermaché, aus dem Italienischen auch Cartapesta) ist ein Gemisch aus Wasser, Papierfasern und einem Bindemittel, meist Kleister, aus dem sich leichte, stabile, relativ große und verhältnismäßig billige Plastiken, Skulpturen oder Masken gestalten lassen.

Viele kennen diese Technik und haben das bestimmt schon einmal selbst gemacht. In der Werkstatt von Manuela Homm haben die Kinder ein Gerüst aus Drahtgeflecht untergebaut und Pappmaché darübergearbeitet. Entstanden sind Fantasietiere zur Geschichte von Matthias Jügler.

 

Hier seht ihr die enstandenen Objekte aus der Werkstatt:

Keramikwerkstatt

Werkstattleiter: Werner Fritz - Bildhauer aus Aschersleben

In der plastischen Werkstatt von Werner Fritz haben die Kinder vor allem eigene Fabeltiere in Bezug auf die Geschichte von Matthias Jügler gefertigt.

 
 

Hier noch weitere Bilder mit Arbeitsergebnissen aus der Keramikwerkstatt:

 

Schmuckwerkstatt

Werkstattleitung: Nicole Lehmann - Diplomschmuckdesignerin aus Halle/Saale

In dieser Werkstatt haben die Kinder Illustrationen zu den Entstandenen Geschichten in der Technik des Kupfertreibens erstellt. Diese Technik ist für Schmuckgestalter eine Möglichkeit, in Metall Bilder einzuarbeiten.

 
 

Hier nun die Ergebnisse aus der Schmuckwerkstatt:

 
 
 

Textilwerkstatt

Werkstattleitung: Birgit Domke - Diplomtextilgestalterin aus Halle/Saale

In dieser Werkstatt entstand ein großes Gemeinschaftsbild aus unterschiedlichen kleinen textilen Segmenten. Gestickte Bilder, aufgenähte Applikationen und verschiedene andere Materialien fügen sich zu einem großen Wandbehang zusammen. Er illustriert eine der entstandenen Geschichten.

In der Textilwerkstatt ist ein großer Wandbehang entstanden, auf dem die einzelnen Bildteile aufgearbeitet wurden

 

Fotowerkstatt

Projektleitung: Tobias Jeschke - Fotograf aus Halle/Saale

In dieser Werkstatt entstehen Fotografien als Illustration zu einer Geschichte.Die Kinder verkleiden sich und stellen Szenen nach, welche aufgenommen werden. Leider sind in dieser Gruppe bis zum Donnerstag 5 von acht Kindern wegen Erkrankung ausgefallen, so dass es sehr schwer war, das geplante Projekt noch zu realisieren.