Wochenprojekt der Grundschule Mehringen vom 21.11. bis zum 25.11.2022

Im Rahmen des Literaturprojektes Transriva waren die Autoren Elmar Schenkel und Lorenzo Monfregola zu Gast

Lorenzo Monfregola aus Italien

Diesen Text hatte Lorenzo Monfregola für die Kinder zum Weiterschreiben mitgebracht:

Übersetzung: Annette Schiller 

Das Land Lila und das Land Blau

Ein langer Fluss durchschneidet den Wald. Im Osten liegt das Land Lila, im Westen das Land Blau. In der Mitte des Flusses liegt die kleine Insel Atalia. Im Wald im Osten rennen drei Menschen mit all ihrer Kraft, alle sind lila gekleidet. Auch im Wald im Westen rennen drei Personen mit all ihrer Kraft, sie tragen alle blaue Kleidung.

Die Lilafarbenen kommen an das Ufer und wollen bei der Überquerung des Flusses auf der Insel Atalia Halt machen: Sie gehen ins Wasser und beginnen zu schwimmen. Die Blauen erreichen auf ihrer Seite auch das Ufer und wollen ebenfalls bei der Überquerung des Flusses auf der Insel Atalia Halt machen

Die Lilafarbenen erreichen die Insel als Erste. Wenige Sekunden später kommen auch die Blauen angeschwommen.

Die Lilafarbenen und die Blauen sehen sich an, durchnässt und überrascht.

Einer der drei Blauen ruft:

-Wir fliehen aus dem Land Blau und wollen in das Land Lila, wir glauben, dort lebt man besser.

Einer der Lilafarbenen antwortet:

-Wir fliehen aus dem Land Lila und wollen ins Land Blau, wir glauben, dort lebt man besser.

Dann sagt einer der Blauen:

-Aber wenn ihr aus dem Land Lila flieht und wir aus dem Land Blau, dann bedeutet das vielleicht, dass es sich in keinem der beiden Länder wirklich besser lebt! Was machen wir nun?

Woraufhin einer der Lilafarbenen ausruft:

-Wenn wir dem Fluss ohne anzuhalten bis zum Ende folgen, glaubt Ihr, dass wir an einen Ort kommen, der weder das Land Lila noch das Land Blau ist?

Elmar Schenkel aus Deutschland

Und diesen Text hatte Elmar Schenkel zum Weiterschreiben mitgebracht:

Die Fragen der Giraffe

„Wollen wir auf den Rummel gehen?“ rief Tante Eudora aus ihrem Laden heraus. „Montag will sicher auch etwas Feines anschauen!“

Oh ja, Bruno und seine Schwester Lisa waren begeistert. Der Rummel, die Kirmes, der Jahrmarkt, da gingen ihnen die Herzen auf! Und Montag sollte unbedingt mitkommen! Montag war Tante Eudoras Hund, ein schwarz-weiß geflecktes Kerlchen, bei dem man mal an Zebra, mal an Lakritz dachte. Und die braunen Ohren hingen so schön herunter, aber er konnte sie auch spitzen! Lisa und Bruno liebten Montag über alles. Manchmal riefen sie ihn auf Englisch, „Monday“! und er kam gelaufen. Also konnte er auch Englisch! Neulich hatte er sogar einen Fuchs gejagt und zum Glück nicht erwischt. Ich weiß nämlich nicht, wie so etwas ausgehen würde…  Und wenn ich ehrlich bin: Montag war auch ein kleiner Räuberhauptmann. Er mochte vor allem Dekostücke, Gartenzwerge, Plastikblümchen oder mal einen netten Frosch aus Stein.

Tante Eudora hatte einen Antiquitätenladen. Also so etwas wie einen Flohmarkt im Haus. Bruno und Lisa nannten ihn deshalb auch lieber einen Flohladen. Darin gab es Gummi-Ritter, Igel aus Ton, alte Uhren und Radios, Münzen und Briefmarken, verstaubte Teller, ein Stachelschweinchen aus Holz und Bücher, die nach alten Kartoffeln rochen. Auch Holzschuhe und Spielzeug, eine besonders schöne Eisenbahn mit blauen Waggons und einer wunderbaren Lokomotive. Ich fürchte aber, das Stachelschweinchen und den Igel hatte Montag angeschafft. Tante Eudora wusste jedoch nicht, woher diese Dinge plötzlich kamen. Sonst hätte sie sie natürlich sofort zurückgegeben. Aber was sollte sie machen?

Gehen wir also auf den Rummel!

Sie liefen zwischen den Beinen vieler Leute, die sich mit Zuckerwatte beschmierten oder vielsagend mit einer Waffel in der Hand in die Höhe schauten, bevor sie ängstlich in ein Karussell stiegen. „Ich will in die „Schreckliche Maus‘“, sagte Lisa, und Bruno und sie durften hinein, in dieses besonders schlimme Karussell. Da wurdest du auf- und abgeschleudert, wie in einem Mixer, eben so, wie eine Katze eine Maus  hin- und herwirbeln würde. Es wurde ihnen schlecht, mit all den Kräppelchen im Bauch, aber sie winkten tapfer zur Tante hinunter, die dort geduldig mit dem Hund stand. Als sie etwas schwindlig wieder ausstiegen, sprang Montag wedelnd auf sie zu – doch da klingelte das Handy der Tante. „Ah,“ rief Eudora, „ich muss sofort mal weg, nur kurz, vielleicht eine halbe Stunde, ein Kunde muss mich treffen. Er will unbedingt die kleine Eisenbahn kaufen. Könnt ihr bitte solange auf Montag aufpassen?“

Ja, natürlich konnten sie das.  Sie freuten sich sogar darauf, einmal mit Montag alleine über den Rummelplatz zu schleichen. Ah, man würde einiges entdecken! Die Tante steckte ihnen zehn Euro zu, damit könnten sie sich ja was Schönes kaufen oder mit dem Auto-Scooter fahren.

Nein, es gab etwas Besseres als Auto-Scooter: Dosenwerfen. Schon lange wollten sie Dosen werfen, um zu sehen, wer wohl besser zielen konnte. Die beiden eilten zu der Bude. Viele Preise lagen an der Seite für die Gewinner bereit. Die Dosenfrau zwinkerte ihnen freundlich zu, als hätte sie schon lange auf sie gewartet. „Na, wollt ihr es endlich mal versuchen?“

Und so ballerten sie mehrere Runden lang, bis die zehn Euro verschossen waren. Ganz hitzig und ehrgeizig waren sie dabei, als ginge es um die Wurst. Aber am Ende interessierte sich niemand mehr dafür, wer besser war. Warum denn das? Ja, etwas Schlimmes war geschehen! Und zwar war Montag verschwunden. Stellt euch eine Woche ohne Montag vor – das ist schon schlimm genug. Noch schlimmer aber ist es, wenn ein Hund namens Montag verschwindet. Einfach so. Und sie hatten ihn in der Hitze des Werfens ganz dumm vergessen! Oh je, was sollten Lisa und Bruno nur machen? Und was würde die Tante gleich sagen?

„Haben Sie unseren Hund gesehen?“ fragten sie die Besitzerin.

„Nein, leider nicht, er muss gleich weggelaufen sein. Ich mag ja auch Hunde sehr. Wie heißt er denn?“

„Montag“ kam es wie aus einem Munde.

„Montag? Ein schöner Name. Ich bin Italienerin, bei uns würde er Lunedi heißen, das klingt auch lustig. Wie sieht er aus? Hat er einen Mond auf dem Fell?“

„Nein, aber wie ein Leopard, ein Zebra, ein Tiger, ein Wolf…“ rief Bruno.

„Also schwarz-weiß gefleckt, ein Jack Russell“, fügte Lisa hinzu, die ja auch schon in der dritten Klasse war.

„Oh, ich will aufpassen, ob ich ihn sehe. Vielleicht kommt er ja von selbst zurück. Ich heiße übrigens fast so ähnlich wie er, nämlich nicht Montag, sondern Freitag! Ich habe einmal einen deutschen Mann geheiratet, der hieß Freitag. Ihr dürft euch übrigens noch was aussuchen. Ihr habt ja zusammen so viele Dosen getroffen. Da dürft ihr was aussuchen.“

Eigentlich hatten sie keine Lust mehr, sich einen Gewinn auszusuchen. Sie mussten doch ihren Hund finden. Aber vielleicht konnte man schnell noch etwas mitnehmen? Eine Plastikblume? Ein Feuerzeug? Parfüm? Ein Messer? Nein, das alles gefiel ihnen nicht. Was ihnen gefiel, war ein Tier. Kein Leopard, Tiger oder Zebra, sondern – ein Tier mit einem langen Hals, aus Afrika, sehr elegant stand es da auf seinen schlanken Beinen. Etwa wie der Eiffelturm in Paris, und  es schaute sie an. Es schaute sie so an, als ob es lebendig wäre und wüsste, wer diese Kinder waren. Kluge Augen. Geflecktes Fell. Wenn es wollte, konnte es in die Wohnungen im zweiten Stock hineinschauen. Natürlich nur das echte Tier. Dieses Tier war ja klein und nicht lebendig, oder doch?

„Wir möchten die Giraffe!“

„Das macht ihr richtig! Ihr habt ein gutes Gespür, Kinder! Diese Giraffe ist nämlich ganz ungewöhnlich. Ich bin froh, dass sie nicht von jemand anderen mitgenommen wurde, sondern dass ihr sie nehmt. Ihr braucht sie nämlich. Ihr werdet sehen, diese Giraffe wird euch helfen, euren Hund wiederzufinden. Nehmt sie mit, stellt sie an einem ruhigen Ort auf und schaut sie eine Weile an. Dann wird sie zu euch sprechen. Sie wird eine Frage stellen. Denn diese Giraffe kann nur Fragen stellen. Aber das hilft. Also versucht es einmal. Und wenn ihr euren Hund wiedergefunden habt, kommt ihr wieder und erzählt mir, welche Abenteuer ihr erlebt habt!

Und ja, sie würden heute einige Abenteuer erleben, die beiden Kinder und ihre Giraffe…

 

 

Lesung der Texte am Dienstag

Am Montag und Dienstag hatten die Kinder Zeit, die Texte der beiden Autoren weiterzuschreiben. Am Dienstag dann gab es eine Lesung der entstandenen Texte.

Hier seht ihr Bilder aus der Lesung:

Arbeit in den Werkstätten

Ab Mittwoch haben die Kinder in zwei Werkstätten die geschriebenen Texte illustriert.

Malwerkstatt

Anleitung: Emmanuel Schulze - Künstler aus Halle

Unter der Anleitung von Emmanuel Schulze entstanden Bilder zu den Texten von Lorenzo Monfregola und Elmar Schinkel.

Textilwerkstatt

Projektleitung: Birgit Domke - Textilkünstlerin aus Halle

In dieser Werkstatt entstanden Bilder aus Stoff. Diese Technik nennt sich Applikation. Die Bildentwürfe werden mit Hilfe von aufgenähten farbigen Stoffen umgesetzt.

 

Präsentatiin aller Ergebnisse am Freitag

Am Freitag wurden ab um 11.00 Uhr alle Ergebnisse in der Flurgalerie der Werkstätten präsentiert.

 

Ergebnisse aus der Werkstatt Malerei

Ergebnisse aus der Textilwerkstatt

In der Textilwerkstatt haben die Kinder Bücher gestaltet und die Umschläge aus Stoffen und Stickereien gefertigt.